Zu Gast auf einer fremden Hochzeit

Irgendwo in Malaysia. In einem Foodcourt. Aber wollen wir mal von vorne beginnen…

Wo sind wir denn überhaupt gerade?

Zur Zeit befinden wir uns in dem „Geheimtipp Malaysias“ — der schönen, viel zu heißen Stadt Ipoh. Noch gar nicht allzu lange. Frisch angekommen sozusagen. Kurz zur Einleitung:

Mit voller Montur schleppten wir uns durch die pralle Mittagshitze zu unserem Hostel. Dort angekommen, völlig durchnässt, beschlossen wir uns für ein paar Stündchen aufs Ohr zu hauen. Mensch, diese drückende Wärme schlaucht aber auch! Nach dem zweiten Schweißbad (ja, das Zimmer ist nur mit einem kleinem Ventilator bestückt) wagten wir doch nochmal einen Gang in die Stadt. Also nur kurz eine Kleinigkeit essen und dann Dusche, Bett, damit wir morgen zur großen „Independence Day“-Party auch fit genug sind.

Wo wir dann landeten, hätte niemand von uns gedacht

Bei unserer Essenssuche gehen wir hauptsächlich immer der Nase nach. Einfach mal los und gucken wo es uns gefällt. Relativ spontan. Dieses Mal waren wir ungewöhnlich lange unterwegs. Teilweise hatten viele Locale auch schon komplett geschlossen. Am Ende der Straße sahen wir ein Lichtblick — ein Foodcourt. Na, der sieht doch ganz gut aus! Nachdem wir das asiatische Restaurant betreten hatten, mussten wir allerdings feststellen — hier wird gerade alles für eine Hochzeit vorgerichtet. Das heißt: Umdrehen. Weitersuchen.

Kaum wollten wir uns in Richtung Ausgang bewegen, kam eine festlich bekleidete Dame direkt auf uns zu. Ihr Englisch war recht gut, dennoch waren wir uns nicht ganz sicher, ob wir sie richtig verstanden haben. Hat sie uns etwa gerade zu einer fremden Hochzeit eingeladen? Ok, das kann nun wirklich nicht sein. Etwas skepisch standen wir noch eine Weile so da. Und dann ging alles recht schnell und als wir uns versahen, saßen wir mit einem kaltem Eistee am überaus reichlich gedeckten Hochzeitstisch — gerade mal nur zwei Plätze lagen zwischen uns und dem Hochzeitspaar.

Apropos, wo ist eigentlich Braut und Bräutigam?

Die zwei ließen ziemlich lange auf sich warten. Die Stühle waren rundum komplett besetzt. Das Essen stand bereit. Höchstwahrscheinlich schon kalt, andererseits mögen das die Asiaten ja. Die Band im Hintergrund fängt an zu spielen. Ah, da kommt endlich das erwartete Brautpaar! Die Menschenmenge im Saal erhebt sich. Und wir auch.

Na, die werden sich wundern, wenn zwei Weißbrote wie wir plötzlich am Festtisch sitzen…

Ein kurzes Nicken der Braut und ein schmunzeldes Lächeln vom Bräutigam. Ganz so ungewöhnlich scheint das Ganze hier wohl doch nicht zu sein. Das frisch vermählte Paar nahm Platz und schon ging das große Essen los. Von allen Seiten kamen Hände angeschossen und luden uns allerlei Dinge auf den Teller. Eine wirkliche Entscheidung hatten wir dabei nicht. Ein Nein oder ein Kopfschütteln wurde knallhart ignoriert. Ein bisschen wie bei den Omas. „Nein, ich möchte kein Kuchen mehr“ und schon landet die doppelte Menge auf dem Teller. Wir wurden überschwemmt mit einer derartig großzügigen Gastfreundlichkeit, wie wir es sonst noch nirgens erleben durften. Absolut verrückt. Was genau wir da aßen und tranken, wussten wir nicht. Eine Sache konnten wir zumindest als Mini-Oktobus identifizieren. Eines war klar — verhungern werden wir heute wohl kaum!

Um dem Ganzen noch etwas mehr Ausdruck zu verleihen, haben wir zwischendurch kleinere Videos gedreht. Da wir momentan weder ein Gestaltungs- noch ein Schneideprogramm besitzen, sind diese Videos komplett natur und unzensiert. Anfangs wussten wir nicht genau, ob es nicht unfreundlich rüberkommt, währenddessen zu filmen. Doch nach einigen Familienfotos später, hatten wir deswegen kein schlechtes Gewissen mehr.

Alles in allem haben wir uns noch nie unwohler gefühlt. Hätten wir das vorher geahnt, hätten wir uns doch anders angezogen oder zumindest geduscht. Doch den Gastgebern war das vollkommen egal — wir waren das Highlight ihrer Party. Zur Krönung durften wir als „Ehrengäste“ oder auch „Friends from Germany“ das glückliche Brautpaar mit als Erstes gratulieren und ihnen „unseren Segen“ geben. Was sollen wir sagen, unseren Segen haben die Zwei:

Was vorher als Essenssaal genutzt wurde, wurde nach dem Gratulieren und Geschenke verteilen, ruckzuck zur Partybühne umfunktioniert. Denn um 11 Uhr stand schon der Geburtstag des Mutterlandes an und dieser wird hier in Malaysia ebenfalls richtig groß aufgezogen. Nach einem Geburtstagsständchen wurde, wie sollte es auch anderes sein, für jedermann Geburtstagskuchen als Mitternachtsbuffet aufgetischt.

Wie bei jeder guten Party, gab es für jeden von uns nach der Verabschiedung ein Gastgeschenk (eine Glasvase und ein Blumenstrauß mit integrierten Ei) und selbstverständlich nochmals unzählige Selfies für’s Familienalbum. Insgesamt waren wir über drei Stunden auf dieses Feier. Aus unserem Plan „Kurz essen und unauffällig abhauen“ ist irgendwie nichts geworden. Auch die Namen des Brautpaares wissen wir bis heute nicht.

5 Fakten zu malaysischen Hochzeit

Da uns das Erlebte doch nicht ganz locker ließ, haben wir nochmal ein bisschen zu dem Thema im Internet recherchiert:

  • Die eigentliche Hochzeitszeremonie fließt aus Elementen früherer Kulturen zusammen wie zum Beispiel der indischen oder hinduistischen Kultur.
  • Oftmals werden Hände und Füße der Braut am Vorabend der Hochzeit mit Henna bemalt, um böse Blicke abzuwenden und dem Brautpaar Glück und vorallem Fruchtbarkeit zu wünschen.
  • Ein weiteres Hochzeitritual besagt, dass Braut und Bräutigam nach der Zeremonie komplette 72 Stunden nicht auf die Toilette dürfen. Dabei sollen die frisch Verheirateten auf die gemeinsamen Herausforderungen des Ehelebens vorbereitet werden. (Wir sind uns nicht sicher, ob das noch so gehandhabt wird…)
  • Das Gastgeschenk — ein liebevoll verziertes Ei — ist eine malaysische Tradition und wird jedem Gast als Symbole der Fruchtbarkeit überreicht.
  • Ein Mann darf bis zu vier Frauen gleichzeitig haben. In unserem Fall hat der Bräutigam zum zweiten Mal geheiratet. Seine erste Frau saß brav zu Hause.

Fazit: Wir waren skeptisch, haben uns unwohl in unserer Haut gefühlt. Nicht nur wegen unser unpassenden Kleidung, sondern auch wegen der Tatsache, dass es sowas bei uns Daheim einfach gar nicht gibt. Doch jetzt im Nachhinein war es eines unserer Highlights und wir sind total überwältigt, dass wir soetwas live miterleben dürften. Wer kann schon behaupten, dass er auf einer fremden Hochzeit getanzt hat? Über zwei Nächte hatten wir nun Zeit dieses Erlebnis zu verarbeiten, trotz allem steht für uns weiterhin die eine oder andere Frage im Raum: Würden wir das Selbe in Deutschland tun? Wildfremde Menschen, von einer anderen Kultur und Religion zu einer häuslichen Hochzeit einladen? Würden diese genauso herzlich empfangen werden wie wir hier in Ipoh? Wir sind uns nicht ganz sicher — was meinst du?

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden:


Dir gefällt dieser Blogbeitrag? Dann schenk uns dein Herz:

Schreibe einen Kommentar