Reisesicherheit in Südamerika

Südamerika — dann auch richtig. Wir lassen wirklich nichts aus… Ja, auch wir sind leider den Dieben zum Opfer gefallen und wurden ausgeraubt. Eine unserer schlimmsten Befürchtung hat sich während einer Busfahrt nach Cuenca (Ecuador) abgespielt:

Fast zwei Tage waren wir mit dem Bus unterwegs. Mit kurzen und längeren Zwischenstopps. Ein richtiger Busmarathon von Huaraz nach Cuenca. Unsere letzte Busfahrt für den Tag sollte dann gleichzeitig unser befürchtester Alptraum werden. Wir waren müde — müde von zu viel Schlaf. Doch geschlafen haben wir nicht, höchstens ein bisschen vor uns hingedöst.

Eine Busfahrt ist wie der Mutterleib — man fühlt sich auf Anhieb geborgen und wohl. Es ruckelt und schunkelt dich förmlich in den Schlaf.

Die Gegend war dieses Mal sehr interessant. Der erste Teil unserer Fahrt ging komplett durch einen Bananenwald. Weit und breit nur Bananenstauden. Echt cool. Langsam wurde es duster. Da der Bus funktionierendes WLAN hatte, was wirklich in Südamerika nicht oft vorkommt, vertrieben wir uns die restliche Zeit mit Surfen. Mehrere Male stoppte der Bus. Plötzlich hieß es, dass wir gleich angekommen würden. Wir schnappten uns die Tagesrucksäcke, die wir immer direkt zwischen unseren Beinen platziert haben. Doch irgendetwas stimmte nicht. Mit bleichen Gesicht sagte Thommy: „Uns hat jemand unseren ganzen Rucksack leergeräumt!“ Stille. Anni brach in Panik aus und schrie heulend durch den Bus. Der Busfahrer sowie ein freundlicher, englischsprechender Mann schalten sich gleich ein und riefen parallel die Polizei. Nach der Bestandsaufnahme war klar: Heute Abend ist da nicht mehr viel zu machen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Der Schock saß tief. Selbst nach einer Nacht konnten wir es noch nicht glauben. Wir machten uns auf den Weg zur unseren letzten Hoffnung, die sogenannte Fiscalia. Ein Amt für gestohlene Wertgegenstände. Nachdem wir einer jungen Frau unsere Geschichte schilderten, erklärte sie uns die Situation. Der Bus hat mehrere Sicherheitskameras, doch wegen Datenschutz können diese erst nach einem richterlichen Beschluss ausgewertet werden. Diese komplette Prozedur dauert um die 20-30 Tage. In diesem Zeitraum würde Anwesenheitspflicht in Cuenca herrschen, falls die Polizei Fragen an uns hätte. Doch wir haben einen Anschlussflug nach LA und sind somit noch nicht mal solange im Land Ecuador. Fakt war nun: Wir mussten aufgeben. Unser Laptop und unsere Kameraausrüstung sind wohl für immer weg…

Ach, es ist doch nur materiell

Alles ist irgendwie ersetzbar — nicht wahr? Für uns waren diese Gegenstände mehr als nur Wertmaterial… Was hat der Dieb uns wirklich da alles gestohlen?

  • Kosten
    Ganz klar, an erster Stelle steht natürlich der Wert. Insgesamt wurde uns ein Laptop und eine Spiegelreflexkamera mitsamt zwei Objektiven geklaut. Ein Gesamtverlust von fast 2.000€.
  • Beschaffung
    Auf einer Weltreise braucht man gute und vernünftige Technik. Deshalb haben wir uns vorher sehr viele Gedanken über unsere technische Ausrüstung gemacht. Haben Preise verglichen, waren in einigen Fachgeschäften und haben uns dann schließlich für genau diese Ausrüstung entschieden. Jetzt geht das Ganze von vorne los, denn wir wollen schließlich nicht einfach irgendetwas nachkaufen.
  • Arbeitszeit
    Auf dem Laptop waren sehr viele wichtige Daten: Bearbeitete Bilder, Gestaltungsdateien von unserem Blog und so weiter. Wir sind ja nicht blöd, deshalb haben wir regelmäßig Backups durchgeführt, dennoch waren nicht alle Daten gesichert und sind jetzt weg. Das bedeutet im Klartext — Mehrarbeit für Anni, um diesen Datenverlust wiederherzustellen.
  • Erinnerungen
    Wir haben den größten Teil unserer Bilder gesichert, Gott sei Dank, doch zwei Tage unserer Weltreise sind mit der Speicherkarte, die sich in der Kamera befunden hat, verloren.
  • Privatsphäre
    Der Räuber hat nun nicht nur unser geliebtes Equipment, sondern auch ein Stück unserer Privatsphäre. Persönliche Bilder und Videos waren auf Laptop und Kamera gespeichert. Von uns, von unserer Familie und von unseren Freunden. Er hat Zugriff auf Internetseiten, die wir vormals geöffnet hatten – kann unsere komplette Reiseroute nachvollziehen. Selbstverständlich haben wir alle Passwörter geändert. Doch wir werden das Gefühl nicht los, dass vielleicht genau in diesem Moment jemand Fremdes in unserem Inneren rumwühlt.

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Die Sache mit dem Glück

War dieser Raub Glück im Unglück? Hätte es uns nicht noch viel schlimmer treffen können? Ja, natürlich hätte es das. Wir sind gesund und haben noch unsere Festplatte mit fast allen Bildern. Trotzdem ist uns das alles kein Trost und dieser Überfall wird noch eine ganze Weile an uns nagen.

Hätten wir doch nur…

Vorwürfe bringen unsere Sachen nicht zurück und lassen uns die Zeit auch nicht zurückdrehen. Doch sie bleiben leider nicht aus. Hätten wir doch nur eine andere Busgesellschaft gewählt oder ein Sitzplatz weiter vorne. Oder warum haben wir nicht mehr Geld investiert und sind die Strecke geflogen? Ändern kann man es nicht mehr, doch dem Gehirn ist das egal.

Ein Raubüberfall verändert

Ungemein. Wir nehmen die Sachen anders wahr, scannen unsere Mitmenschen. Vorher waren wir schon übervorsichtig mit unserem Hab und Gut, haben wirklich nichts davon auch nur annähernd aus den Augen gelassen. Dennoch hat es uns trotzdem erwischt. Und immer wieder taucht die Frage auf: Warum wir? Seit dem Überfall waren wir schon dreimal wieder mit dem Bus unterwegs. Angespannt — an Schlaf war nicht zu denken und wir haben beobachtet wie andere Reisende mit ihrem Gepäck umgehen. Viel verantwortungsloser wie wir und teilweise sogar völlig naiv, sodass Langfinger ein einfaches Spiel hätten…

Wir wollen natürlich nicht, dass dir dasselbe passiert. Deshalb anbei unsere Ratschläge für deine nächste Busfahrt in Lateinamerika:

  • Wähle immer einen Sitzplatz in den vorderen Reihen. Dadurch befinden sind mehrere Menschen hinter dir, die einen Raub mitbekommen könnten.
  • Trage alle Wertgegenstände direkt an deinem Körper. Wir dachten, es würde ausreichend die Rucksäcke zwischen die Beinen zu klemmen, aber die Räuber sind so raffiniert, dass man einen Diebstahl selbst dort nicht mitbekommt.
  • Geld und Kreditkarten in einer Bauchtasche unter den Klamotten tragen. Ist nicht nur bei Busfahrten empfehlenswert.

Warum könnte es in Ecuador gefährlicher sein, wie in anderen Ländern in Südamerika?

Langfinger können in jedem Bus dieser Welt ihr Tunichtgut treiben, dennoch sind uns in Ecuador mehrere Mängel im System aufgefallen, die bei den anderen südamerikanischen Länder einfach besser gelöst sind.

  • Der wohl wichtigste Aspekt: Du bist ein Nobody. Du kaufst dir ein Ticket und schon hast du dir ein Platz in Bus gesichert. Keine Personalien, keine Passkontrolle — nichts der gleichen.
  • Du kannst ein- und aussteigen, wann und wo du willst. Die meisten Leute werden wirklich direkt am Straßenrand eingesammelt. Kein Scherz.
  • Je voller der Bus desto besser. Es ist kein Sitzplatz mehr frei? Gar kein Problem. Dann wird halt mal im Gang gestanden — auch für 1 bis 2 Stunden.

Klar, wir sind auch schon in anderen Ländern Südamerikas mit kleineren Busgesellschaften gefahren, wo der eine oder andere Punkt ebenfalls vorkam, dennoch ist es in Ecuador einfach die Regel. Dass hier die Kriminalität höher ist, bestätigt auch der vermehrte Einsatz von Sicherheitskameras. In jedem Bus oder Taxi ist eine zu finden. Doch auch diese hält die Diebe nicht ab, sich an deinen Sachen zu vergreifen.

Unser Fazit

Vor unserer Weltreise haben wir Horrorgeschicht über Südamerika gehört oder gelesen. Besonders das Auswärtige Amt übertreibt da vollkommen. Laut denen, dürfte man gar nicht mehr verreisen. Keineswegs möchten wir das Ganze besänftigen und sind uns sicher, dass vieles davon wirklich regelmäßig passiert. Nichtsdestotrotz waren wir nun knapp 3 Monate hier und haben kaum Kriminalität mitbekommen. Also nicht mehr wie in der deutschen Hauptstadt Berlin. Wir sind immernoch so begeistert von dem Leben auf diesem Teil der Erde, dass wir trotz unseres schlechtem Erlebnis jedem eine Reise empfehlen können. Wir selbst waren sicherlich auch nicht das letzte Mal hier unterwegs — das steht fest. Was wir dir damit sagen wollen: Überall auf der Welt gibt es schwarze Schafe und wir hatten einfach Pech, dass wir genau vor einem im Bus nach Cuenca saßen. Wir haben so viele wirklich nette und hilfsbereite Menschen nachher in Ecuador kennengelernt, dass wir dem Land dafür einfach nicht die Schuld geben wollen.

Vielleicht können wir so ein Haken dahinter machen

Die letzten Worte dieses Artikels wollen wir nun persönlich an den Dieb richten. Auf der Death Road in La Paz haben wir zwei Mädels aus München kennengelernt, mit denen wir seitdem regelmäßig Kontakt haben. Die Zwei waren ebenso schockiert über unseren Überfall, gaben uns aber folgenden Tipp: „Schreibt einen Brief an den Bösewicht und schmeißt ihn irgendwo hin!“ Und genau das machen wir jetzt auch, nur dass wir ihn hier auf unseren Blog veröffentlichen — schließlich sollte der Übeltäter zum Nachlesen die Zugangsdaten dieser Homepage besitzen.

Hallo Herr Bösewicht,

wir wollen gar nicht anfangen dich hier mit unzähligen Kraftausdrücken zu beschimpfen. Du bist zwar jetzt einen Laptop und eine Kameraausrüstung reicher, doch eines konntest du uns nicht wegnehmen: Unsere Freude am Reisen und an dem Kontinent Südamerika. Ebenfalls besitzt du jetzt zwei Tage unserer besten Zeit im Leben und wir hoffen, dass dir beim Anblick unserer glücklichen Fotos das schlechte Gewissen schlaflose Nächte bereitet. Wir sind uns ganz sicher — deine gerechte Strafe wirst du dafür noch bekommen.

Liebe Grüße Anni & Thommy

6 Replies to “Reisesicherheit in Südamerika”

  1. Ja ja ja sehr gut ! haha freut mich sehr den Bösewicht-Brief zu lesen !
    Ich finde es gut der Welt zu zeigen, dass Südamerika ein atemberaubender Kontinent ist, den es ohne Frucht zu bereisen gilt ! Die Vorsicht braucht man überall & ich denke auch das Karma schlägt überall zurück !
    Grüße aus Brasilien, Zarah

    1. OurTravelness sagt: Antworten

      Danke nochmal für den Tipp mit den Brief 🙂 Es hat echt gut getan, seine Gedanken dazu mal loszuwerden… Ja definitiv, Südamerika ist wirklich atemberaubend! Wir sind immernoch sehr verliebt in die Landschaften. Leider geht es für uns diese Woche weiter…

      Ganz liebe Grüße auch an Theresa. Noch viel Spaß wünschen wir euch zwei in Brasilien.
      Fühlt euch gedrückt :*

  2. Hey ihr beiden,
    es tut mir leid, dass ihr das erleben musstest, das ist definitiv kein schönes Erlebnis. Aber ich finde es klasse, wie ihr damit umgeht! In meinem Freundeskreis ist das leider auch schon einigen passiert. Aber wie ihr sagt, schwarze Schafe gibt es überall. Behaltet eure Freude am Reisen und weiterhin noch ganz viel Spaß!
    Liebe Grüße aus Santiago, Désirée

    1. OurTravelness sagt: Antworten

      Hallo Désirée 🙂
      Danke für deine Nachricht und dein Mitgefühl. Wir haben uns sehr darüber gefreut 🙂 Ja, es ist wirklich kein schönes Erlebnis und es hat einen leichten Schleier über unsere letzten Tage hier in Südamerika gelegt… Aber wir denken, sobald wir neues Equipment haben, können wir unsere Reise wieder in vollen Zügen genießen.
      Ganz liebe Grüße nach Santiago

  3. Jutta Michel-Neu sagt: Antworten

    Oje, hoffentlich ist das noch nicht bis nach Sargenzell vorgedrungen, für die Eltern ist das natürlich immer Grund zur Sorge. Mein Felix springt momentan in Montreal rum, dort soll es ja sicherer sein. aber letztes Jahr in Brasilien(übrigens u.A. auch die Iguazu-Wasserfälle), da hatte ich schon mehr Angst.

    Lieben Gruß
    Jutta

    1. OurTravelness sagt: Antworten

      Hallo Jutta,
      doch das Ganze hat natürlich auch Sargenzell erreicht. Unsere Familien sind immer erstmal besorgt, wenn es in ein neues Land und sozusagen in ein unbekanntes Abenteuer geht. Doch wir halten ständig Kontakt und versorgen sie mit ausreichend Informationen, sodass sie immer am neusten Stand sind. Und dass beruhigt sie ungemein. Montreal ist wirklich schön – ganz liebe Grüße auch an ihn.

      Danke für deine Nachricht 🙂

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