Gefühlschaos

Geburt in Kanada – Sollen wir unser Kind wirklich im Ausland bekommen?

Seit einigen Tagen drehen sich unsere Gedanken intensiv nur um diese eine Frage. Was angefangen hat mit einem Spaß wie “Visum haben wir ja noch, dann fliegen wir zur Geburt unseres Kindes eben zurück nach Kanada” wurde besonders in den zwei letzten Wochen zum Thema Nummer eins und natürlich zum Gesprächsstoff schlechthin. Doch was hätte das Ganze für Vorteile und warum denken wir überhaupt darüber nach?

Geburt in Kanada

Schon mal was von Geburtstourismus gehört?

Wie kommt man also auf die Idee sein Kind in einem fremden Land zu entbinden, wenn man es doch auch Zuhause in gewohnter Umgebung bekommen könnte? Auch wenn sich das Ganze für die Meisten vielleicht nach einer Schnapsidee anhört, lohnt es sich doch ernsthaft darüber nachzudenken. Warum? Weil man mit der Geburt im Ausland seinem Kind eine bessere Zukunft ermöglichen kann! Um eine Sache dennoch vorweg zu nehmen: Wir haben keine familiären Probleme oder finden Deutschland als Land aus irgendeinem anderen Grund für eine Geburt nicht geeignet.

Nein – das Stichwort lautet ganz einfach Geburtstourismus. Und wie der Name schon sagt, sucht man zum Zweck der Geburt ein fremdes Land auf und gibt seinem Nachkommen somit von Geburt an eine zweite Staatsbürgerschaft. Die Vergabe von Staatsbürgerschaft bei Geburt erfolgt nämlich nach zwei verschiedenen Prinzipien: Jus Sanguinis und Jus Soli. Während bei Jus Sanguinis die Kinder automatisch die Staatsbürgerschaft nach der Blutlinie ihrer Eltern vererbt bekommen, heißt Jus Soli hingegen übersetzt so viel wie “Recht des Bodens” und verleiht Kindern die Staatsbürgerschaft jenes Landes, auf dessen Grund und Boden sie geboren wurden. Jus Sanguinis ist dabei das am weitesten verbreitete Prinzip, doch Jus Soli ist ebenfalls in relativ vielen Ländern der Welt noch möglich. In unserem Fall wäre unser Kind mit der Geburt in Kanada eben kanadischer wie auch deutscher Staatsbürger.

Vorteile von einer Geburt in Kanada

Mit dieser doppelten Staatsbürgerschaft wäre unser Kind nicht nur im Besitz von zwei mächtigen Reisepässen, sondern hätte noch dazu zwei richtig tolle Heimatländer. Und das wiederum bedeutet: Deutlich mehr Freiheiten! Geringe Abhängigkeit vom Rechts- und Sozialsystem des eigentlichen Heimatlandes Deutschland, sowie alle Rechte und Pflichten des Landes der zweiten Staatszugehörigkeit. Unsere Kind könnte, wenn es wollte, in Kanada leben, arbeiten und Rechtsgeschäfte abwickeln (z.B. Unternehmensgründung, Immobilienkauf, Kontoeröffnung). Ebenfalls würde es diplomatischen Schutz von beiden Ländern genießen. Ob das Kleine von diesen Vorteilen im entsprechendem Alter Gebrauch machen wird, kann man vorab nicht wissen. Diese Möglichkeiten würden zumindest bestehen.

Aber mal abgesehen davon, haben wir eigentlich schon erwähnt wie schön Kanada ist? Das Land der Superlative hat von der ersten Sekunde an unser Herz erobert: Freundliche Menschen, gigantische Berglandschaften, mächtige Gletscher, spiegelglatte Seen, unendliche Wälder und Weiten. Natur pur soweit das Auge reicht. Ein Land, so groß wie ein ganzer Kontinent und doch so unglaublich friedlich. Hier gibt es noch reichlich Platz für Träume, Abenteuer und Wildnis. Und genau das wünschen wir uns so sehr für unseren Zwerg.

Und das wäre der Geburtsplan für Kanada

Bis zur 36. SSW darf man als Schwangere ohne Probleme ein Flugzeug betreten, es sei denn man fühlt sich auch danach. Hierbei sollte man kein Risiko eingehen und alles im Vorfeld mit dem behandelten Frauenarzt abklären. Die meisten Fluggesellschaften bestehen sogar auf ein ärztliches Attest, aber selbst das sollte kein Problem darstellen, wenn es sich um eine normale Schwangerschaft handelt. Insgesamt haben wir eine Aufenthaltsdauer von mindestens 10 Wochen eingerechnet – 5 Wochen vor dem Geburtstermin und 5 Wochen danach. Man weiß ja schließlich nie was bei einer Geburt alles passiert und Anni soll sich auf dem Nachhause-Flug auch möglichst fit fühlen. Das Kind darf übrigens schon ab dem 8. Lebenstag offiziell fliegen. Verrückt, oder?

Da wir während unseres letzten Aufenthaltes für 3 Monate in Calgary gewohnt haben, wäre es auch für die Geburt unser Favorit. Dort kennen wir uns aus, hätten schon ein paar soziale Kontakte und könnten zur finalen Geburtsbetreuung zur Frauenärztin Frau Parker, welche uns bereits vom letzten Mal kennt. Das würde uns nochmal eine gewisse Sicherheit geben. Der einzige Nachteil: In der Mitte Kanadas gibt es kein deutsches zuständiges Konsulat. Was bedeutet, dass wir direkt nach der Geburt nach Vancouver fahren müssten, um unsere Ausreise aus Kanada und Einreise nach Deutschland zu managen. Die andere Möglichkeit wäre natürlich schon direkt das Kind in Vancouver zu bekommen. Wenn wir uns also für die Geburt in Kanada entscheiden würden, wäre das definitiv noch eine Angelegenheit, die man klären müsste.

Geburt in Kanada: Was spricht alles dagegen?

So cool, wie das auch alles klingt, hat die Sache wie so oft einen fetten Haken: Das nötige Kleingeld. Auch wenn wir versicherungstechnisch alles soweit abgeklärt haben, darf man die Nebenkosten in diesem Fall nicht unterschätzen. Dazu kommt, dass wir leider auch davon ausgehen müssen, dass wir beide in dieser Zeit nicht arbeiten können und somit komplett von unserem Erspartem leben müssen. Und dass unser Sparschwein dabei extrem belastet wird, zeigt die nachfolgende Kalkulation:

// Flug

Irgendwie müssen wir ja nach Kanada und dann später mit Kind wieder zurück nach Deutschland kommen. Und da können wir uns nicht wie sonst immer auf eine günstige Variante beschränken, sondern müssen bedenken, dass wir beim Hinflug eine Schwangere Anni und beim Heimflug eine neugeborenes Kind mit an Bord haben. Non-Stop-Flüge sind daher Pflicht!

// Unterkunft

Auch hier können wir nicht einfach aus dem Bauchgefühl heraus entscheiden, sondern müssen besonders auf eine gute Lage achten. Gerade in unserem Fall wäre ein Direktzugang zum Krankenhaus empfehlenswert. In Vancouver ist beispielsweise der monatliche Mietpreis im Gegensatz zu Calgary deutlich höher.

// Mietwagen

Unser Plan B, wenn es mit der Unterkunft nicht klappen sollte, wie wir uns das gerade vorstellen. Auf die öffentlichen Verkehrsmittel wollen wir uns auf keinen Fall verlassen. Ein Auto bräuchten wir dann für die komplette Dauer, man weiß ja schließlich nie wann es losgeht.

// Lebensunterhaltungskosten

Das alltägliche Leben in Kanada ist teuer. Nicht viel teurer wie in Deutschland, aber gerade ohne Einkommen merkt man erstmal wie enorm dieser Anteil sein kann.

// Bürokratie

Kanadischer und deutscher Reisepass, Übersetzungen und und und. Geschenkt bekommt man grundsätzlich nichts. Auch wenn sich diese Kosten am Anfang noch geringfügig anhören, kann sich der Gesamtbeitrag ganz schon läppern.

// Erstausstattung

Ein Wort, das gerade Anni die letzten Wochen verfolgt. Wenn wir auf alle hören würden, wäre selbst unsere eigene Wohnung viel zu klein. Grundsätzlich braucht man weniger als man denkt oder was einem geraten wird. Doch es gibt Dinge, um die auch wir Minimalisten nicht drumrum kommen werden und diese müssten wir uns ganz einfach auch vorab in Kanada besorgen. Dieser Kostenpunkt zählen wir aber nur mal zur Hälfte, denn er würde selbstverständlich auch mit der Geburt in Deutschland anfallen.

// U-Untersuchungen nach Geburt

Nach der Entbindung ist das Kind logischerweise nicht mehr über Anni’s Auslandskrankenversicherung versichert und braucht einen Extra-Schutz. Im Allgemeinen ist das gar kein Problem. Ähnlich wie in Deutschland kann man sein Kind einfach rückwirkend bei der Versicherung melden, somit werden alle notwendigen Eingriffe von Beginn an übernommen. Die einzige Ausnahme hierbei: die U-Untersuchungen. Bis jetzt haben wir noch nicht herausgefunden, wer diese Kosten übernimmt und auf wie viel Geld sich das Ganze belaufen wird. Momentan befinden wir uns dazu noch in Klärung.

// Unerwartete Kosten

Ja, selbst dieser Posten muss man irgendwie mit einkalkulieren, denn schlussendlich verläuft es nie nach Plan. Auch wenn wir alles bis ins letzte Detail geplant haben und nichts dem Zufall überlassen wollen, können doch noch Dinge schief laufen, die sich nunmal einfach nicht vermeiden lassen.

Es wird Zeit für ein Fazit

Mal schnell nach Kanada zur Geburt und wieder zurück ist doch gar nicht so easy wie gedacht, nicht wahr? Dahinter steckt sehr viel Recherche und Vorbereitung und vor allem ein großer Haufen Geld. Wir sind keineswegs blauäugig und wie du vielleicht gemerkt hast, haben wir uns darüber schon sehr viele Gedanken gemacht. Unter keinen Umständen wollen wir etwas überstürzen und uns zu 100% sicher sein, dass vor Ort alles funktioniert und wir mit einem sicherem Gefühl das Leben unseres Kindes starten können. Schließlich geht es dieses Mal nicht nur um uns zwei, sondern auch um unseren kleinen Wurm.

Grundsätzlich sind wir aber immer noch der Meinung, dass eine doppelte Staatsbürgerschaft eine extrem coole Sache wäre, weil es einfach nicht jeder macht und zum Anderen unserem Kind zukünftig einen großen Vorteil bieten könnte. Doch der finanzielle Teil knabbert sehr stark an uns und wir müssen jetzt einfach abschätzen, ob wir diesen ganze Aufwand in Kauf nehmen wollen. Dabei geht es nicht darum, dass wir uns dieses Abenteuer nicht leisten könnten, aber dafür würde ganz einfach ein anderes Abenteuer erstmal wieder auf die Warteliste gesetzt werden. Es ist definitiv für uns keine einfache Entscheidung. Auch wenn unser Vorhaben ins Wasser fallen könnte, war es uns wichtig, unsere kompletten Beweggründe hier auf unseren Blog mit dir einmal zu teilen.

Was denkt der Rest darüber?

Wir wollen ehrlich sein. Nicht jeder, der von unserer Idee erfährt ist auf Anhieb begeistert. Eher im Gegenteil. Doch schlussendlich ist es unser Leben, unser Kind und unsere Entscheidung. Wir müssen und wir wollen keinen um Erlaubnis fragen. Doch auch wenn wir uns von den Meinung anderer Leute nicht beeinflussen lassen, interessieren uns doch die unterschiedlichen Denkweisen der Menschen. Und glaube uns – wir haben zu diesem Thema schon alles gehört von “Man, ist das cool – macht das auf jeden Fall” bis hin zu “Ich verstehe den Sinn von einer doppelten Staatsbürgerschaft absolut nicht”. Aber genau das macht das Thema doch spannend, oder?

Deine Reaktion ist uns wichtig!

Du hast Fragen oder Anregungen?
Was hälst du davon, wenn wir unser Kind in Kanada bekommen würden? Oder anders gefragt: Würdest du selbst über das Thema Geburtstourismus nachdenken? Hinterlasse uns dazu gerne eine Notiz in den unten stehenden Kommentaren.


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