Derbytime in Buenos Aires

Ein Highlight der besonderen Art

Für einen Fußballer ist die argentinische Primerea Division keine unbekannte Liga mehr. Jedes Jahr wechseln einige Talente Richtung Europa und Altgediente argentinische Fußballer gehen zurück in ihre Heimat, um meist bei dem jeweiligen Jugendclub ihre Karriere ausklingen zu lassen. Die wohl bekanntesten Clubs in Argentinien sind zweifelsohne der Hafen-Club Boca Juniors und der ewige Rivale River Plate. Karten für eines ihrer Spiele zu bekommen grenzt schon an viel Glück oder einem großen Geldbeutel, da die Eintrittskarten eigentlich nur an Vereinsmitglieder verkauft werden.

Untypische Farbwahl

Hinter der Vereinsfarbenwahl der Boca Juniors liegt eine coole Story. Denn sowohl Boca Juniors als auch River Plate wollten für sich die Vereinsfarben rot/weiß wählen. So entschied man sich schließlich für ein Entscheidungsspiel, welches River Plate schlussendlich gewann. Nun war man auf der Suche nach einer neuen Vereinsfarbe. Der damalige Vorsitzende der Boca Juniors — ein Hafenarbeiter — beschloss, dies dem Zufall zu überlassen. So sollten die Vereinsfarben der Flagge des nächsten vor Anker gehenden Schiffes gleichen. Dieses zufällige Schiff segelte unter schwedischer Flagge. Fortan spielten die Juniors in blau/gelb.

Matchday: Racing Club vs. CA Lanus

Ein nicht ganz eingeplantes Highlight — aber Gänsehaut-Feeling pur. Bei einem Treffen unseres Weltreisefreund Sebastian kamen wir auf das Thema Fußball. Sebastian sah sich bereits tags zuvor das Ligaspiel von San Lorenzo (dem Heimatverein des aktuellen Papstes) und ein Spiel des Copa Libertadores in Mendoza an. Von seinem Schwärmen beeindruckt wollten wir das Ganze auch erleben — am besten sofort! Ein kurzer Blick auf den Spieltag und die Wahl fiel auf das Stadtderby von Racing vs. CA Lanus. Die Fans des Racing Clubs sind für ihre Stimmungsgesänge bekannt und rangieren auf den Plätzen hinter den zwei Topteams.

Gesagt getan. Mit Bargeld und unseren Führerscheinen als Ausweise (wie wussten ja nicht was uns erwartet) machten wir uns mit Sebastian und Debora (Sebastians Couchsurfer Host) auf den Weg zum Stadion. Ja, auch unsere geliebte Kamera musste im Hostel bleiben. Deshalb auch nur Handybilder für diesen Artikel.

Derbytime auf größten Level

Die hiesige Fankultur ließ nicht lange auf sich warten. Trommeln, Fangesänge, überfüllte Busse, die hupend schon vor dem Spiel einen Autokorso fuhren… Einfach unbeschreiblich! Der Stadtteil Avellaneda hat mit dem Verein Club Atlético Independiente eine zweite Mannschaft in der ersten Liga. Die jeweiligen Stadien werden nur von Zäunen und einer Straße getrennt.

Für uns hieß es erstmal schnell an den Menschenmassen vorbei und Tickets für das Spiel zu sichern. Am Ticketschalter war schon eine mega Schlange. Die meisten Argentinier kaufen ihre Tickets, nicht wie in Deutschland üblich im Voraus, sondern für jedes Spiel direkt an der Stadionkasse. Trotz gefühlten 20 Ticketschaltern für die Stehbereiche gab es kein Vorkommen. Wir wechselten kurzerhand die Kassen und besorgten uns ein Sitzplatzticket — gerade noch pünktlich zum Anpfiff.

Dieses Feeling ist ein absolutes Highlight

Die Stimmung ist eigentlich ein ohrenbetäubender Lärm, der aber geleitet von dem Rhythmus ins Blut übergeht. Dieser Fankult ist zweifellos etwas besonderes. 90 minütiges getrommel, brennende Bengalos. Toilettenpapier, welches einfach auf den Rasen geworfen wird. Zwei leere Blocks als Sicherheitsabstand der gegnerischen Fans und und und…

Zudem sahen wir in diesem ganzen Spektakel einen 3:0 Heimsieg!!-Wahnsinn. Der Zufall wollte es und ein Reporter von einem Lokalen Radiosender sprach Thommy auf die Spielereignisse an. Ein bisschen perplex antwortete er auf englisch. Der Reporter war ebenfalls fasziniert, dass sich Deutsche in Argentinien ein Fußballspiel ansehen. Nach dem Spiel wurde der gegnerische Fanblock mittels Sicherheitspersonals sofort geräumt und die Fans nach draußen geleitet. Dadurch mussten die Heimfans ca. 45 Minuten warten, bis sie ebenfalls das Stadion verlassen durften.

Unser Fazit

Das Erlebnis war einfach der Hammer! Liegt vielleicht auch daran, dass Vieles in deutschen Stadien verboten und deswegen nicht allgegenwärtig ist. Zusammenfassend können wir dir also empfehlen: Hast du die Möglichkeit gleichermaßen ein Spiel in dieser Art zu sehen, dann mache es auf jeden Fall!

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