10 Dinge, die du über Torres del Paine wissen solltest

Der Torres del Paine Nationalpark, tief im Süden von Patagonien in Chile gelegen, wird als eine der besten Wandertouren in der Welt bezeichnet. Somit konnten wir die Gelegenheit nicht verpassen selbst den berühmten Trek zu wandern.

Kann ich die Wanderung auf eigene Faust machen oder muss ich mich einer geführten Tour anhängen?

Unabhängige Reisen ist absolut möglich. Sicherlich kannst du auch mit einer Tour gehen, wenn du das wünscht — brauchst du aber wirklich nicht! Jeder Weg ist gut markiert und es ist sehr leicht, sich zu orientieren. Keine Sorge. Solowandern ist sehr beliebt und ist definitiv erlaubt in Torres del Paine.

Es gibt viele Blog-Posts und Bücher da draußen, die dir bereits bei der Wanderplanung helfen können. Dennoch fehlte uns die eine oder andere wichtige Info. Also, um all die unbeantworteten Fragen abzudecken, die man noch nicht im großem weiten Internet findet und dir ein bisschen bei der Planung behilflich zu sein, findest du anbei unseren eigenen Torres del Paine Trekking Guide. ACHTUNG:

1. Sommer oder Winter?

Das Wetter in Patagonien ist extrem unvorhersehbar — es kann durchaus mit Island konkurrieren. Ein heißer sonniger Tag kann zu starken Windböen wechseln, die dich förmlich wegblasen. Im Handumdrehen wird es arschkalt, wenn die Sonne untergegangen ist. Auch wenn du das Wetter nicht voraussagen kannst, kannst du zumindestens die richtige Saison wählen.

Oktober bis April gilt als eine gute Zeit, da dort Frühling beziehungsweise Sommerzeit ist. Nach April bricht der Winter ein. Wenn du nach Herausforderungen suchst und du ein erfahrener Wanderer bist, dann kannst du dir überlegen den Winter für deine Wanderung zu wählen. Und natürlich sollte dir die eisige Kälte weniger ausmachen. Unserer Meinung ist der einzige Vorteil der kalten Jahreszeit, dass es dann kaum Touristen gibt.

2. O oder W, oder vielleicht der Q-Trek?

Nein, das ist keine Geheimsprache. Diese Routen werden wirklich so genannt:

„W“ ist die beliebteste Wanderung im Park. Wir haben uns auch für diese Strecke entschieden. Diese Wanderung ermöglicht es dir, all die wichtigsten Dinge, einschließlich der Torres, zu sehen.
Dauer: 4-5 Tage

„O“ ist ein Loop Trail. Dieser macht einen Kreis um den ganzen Park. Nehme dir diese Tour auf jeden Fall vor, wenn du mehr Zeit zur Verfügung hast und tiefer in der Natur eindringen willst. Nachdem der Weg von der gefragten W-Spur wegbricht, ist er auch weniger belaufen.
Dauer: 9 Tage

„Q“ ist einfach noch 1 zusätzlichen Tag zum O-Trek. Falls du noch nicht genug von der Schönheit des Parks hast, kannst du diesen kleinen Schwanz ebenfalls mit einplanen.
Dauer: 10 Tage

Fühlst du dich für das Ganze nicht abenteuerlich genug, kannst du es dir auch ganz einfach machen und nur eine 1-tägige Wanderung zum „Base de Torres“ vornehmen.
Dauer: 4-5 Stunden

Ost nach West oder West nach Osten?

Auf welcher Seite man beginnt ist vollkommen Schnuppe. Viele starten Ost nach West, weil dieser Teil mit am härtesten ist. Wir jedoch wollten uns den bekannten Torresblick bis zu Schluss aufsparen und sind deshalb im Westen gestartet.

3. Wie komme ich zum Nationalpark?

Die nächstgelegene Stadt von Torres del Paine Nationalpark ist Puerto Natales. Dort empfehlen wir dir einen Ruhetag vor der Wanderung zu haben. Es gibt verschiedene Busgesellschaften, die dich jeden Tag einmal morgens um 7:30 Uhr und einmal mittags um 14:30 Uhr zu verschiedenen Eingängen des Parks transportieren. Das Ticket dafür kann man in den meisten Hostels oder einfach direkt am Busterminal kaufen. Preislich unterschieden sich die einzelnen Unternehmen nicht.

4. Zelt oder Hotel?

Willst du bei einer Budget-Option bleiben oder bevorzugst du mehr Komfort? Anbei beschreiben wir dir kurzgefasst deine Optionen:

A) Zelt auf einem kostenlosem Campingplatz

Die freien Campingplätze befinden sich im Besitz der Parkbehörde und sind meist schwerer zu erreichen. Den Camps fehlen viele der Einrichtungen der bezahlten Campingplätze, aber sicher fehlt es ihnen nicht an guter Laune, tolle Atmosphäre und nette Leute! Generell sind diese Plätze sehr gefragt und sollten deshalb vorab reserviert werden.

B) Zelt auf einem bezahlten Campingplatz

Auch wenn Geld nicht der Hauptgrund für deine Wahl eines Camping-Option ist (ja, es ist wirklich romantisch, die Nächte in der Natur zu verbringen), ist es definitiv viel billiger als in einem Refugio zu bleiben. Alle bezahlten Campingplätze auf der W-Trek befinden sich in der Regel in der Nähe der Refugios, was bedeutet, dass du alle Einrichtungen dort genießen kannst — Duschen mit Warmwasser, Küche, Toiletten etc.

C) Hotel (Jugendherberge / Refugio)

Hotels oder in der Mehrzahl der Fälle Herbergen sind im Besitz von 2 privaten Unternehmen im Torres del Paine Park — Fantastico Sur (im Grunde im östlichen Teil des Parks) und Vertice Patagonia (alles auf der westlichen Seite des Parks). In einigen Bereichen gibt es auch Hütten mit Whirlpools.

5. Wo bekomme ich die Campingausrüstung her?

Du kannst dir von jedem einzelnen Refugio ein Zelt (+ Schlafsack und Schlafmatte optional) mieten. Das ist ziemlich cool, weil man das Equipment so nicht mit sich rumtragen muss und es immer direkt am jeweiligen Campingplatz mieten kann. Sehr komfortable Angelegenheit, auch wenn der wirkliche Sinn des Campings dadurch verloren geht. Am besten gleich bei der Reservierung mit angeben, dann ist es bei deiner Anreise schon aufgebaut. Das Ganze hat durchaus auch seinen Preis. So bezahlst du im Schnitt 15.000 CLP pro Nacht für ein geliehenes Zelt vor Ort. Alternativ kannst du dein eigenes Zelt mitschleppen und es auf jedem Campingplatz benutzen.

Und wenn ich kein eigenes Zelt habe — muss ich dann die knackigen Preise im Park bezahlen?

Auch kein Problem. Fast jedes Hostel in Puerto Natales hat Campingausrüstung zum Ausleihen. So haben wir es übrigens auch gemacht.

6. Kochen oder Vollpension?

Du solltest dir auf jeden Fall im Voraus über das Thema Essen Gedanken machen. Willst du eigenes Essen kochen oder eine Vollpension nutzen, die vom Refugio zur Verfügung gestellt wird?

A) Kochen

Entscheidest du dich für das Selbstkochen erfordert es an einigen Vorbereitungen. Ebenfalls musst du bedenken, dass du alles auf dem Rücken tragen musst, aber hey, es ist viel billiger.

So könnte dein Parkessen aussehen:

  • Frühstück — Müsli und Kakao (hergestellt aus Milch- und Kakaopulver)
  • Mittagessen — Snacks wie eine Karotte, Schokoriegel, Kekse, Äpfel oder Müsliriegel
  • Abendessen — Pasta oder Reis Gericht

Nützliche Sachen:

  • Bunsenbrenner mit Gas
  • Multifunktionsbesteck
  • Multifunktionsgeschirr
  • Streichhölzer
  • Servietten

B) Vollpension von Refugios

Bedeutet Frühstück, Mittag- und Abendessen, das vom Refugio gekocht wird. Somit brachst du dir keine Sorgen um das Kochen und das Tragen all dieser Dosennahrung zu machen. Du kannst die Vollpension auch extern nutzen, wenn du nicht als Gast im Refugio nächtigst. Das Abendessen besteht aus 4 Gängen — Vorspeise Salat und Suppe, ein Hauptgericht und ein Dessert mit Tee. Das Mittagessen wird dir in einer Lunchbox mit auf dem Weg gegeben. Alles gibt es selbstverständlich auch als vegetarische Variante.

C) Und was ist mit Trinkwasser?

Nein, du musst keine Wasserkanister von Berg zu Berg schleppen. Gott sei Dank. Zum Glück sind im Nationalpark genug Wasserströme, die direkt vom Gletscher kommen. Was bedeutet: Sauberes und für jedermann abfüllbares Trinkwasser. Wichtig: Nur eine Sache solltest du im Auge behalten. Je näher das fließende Wasser zur Straße ist, desto verschmutzter ist es. Wenn du das Wasser direkt aus dem Fluss nimmst, birgt es keine gefährlichen Bakterien. Sei also vorsichtig.

Und wenn dir mal das Wasser zu eintönig wird, kannst du es ganz leicht mit Geschmackstütchen aufpeppen. Diese gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen fast überall in Südamerika. Bei kalten Abenden ist ein heißer Tee auch eine feine Sache. Wir hatten uns sogar Wein im Tetrapack eingepackt — als Belohnung.

D) Gibt es auch Läden, wo ich zur Not mal etwas nachkaufen kann?

Selbstverständlich kann man auch Lebensmittel vor Ort kaufen. Wir selbst haben uns etwas mit dem Essen verkalkuliert und mussten an einem Abend zusätzliche Nudeln mit Soße von einem Minimarkt ordern. Für eine Packung Nudeln bezahlt man hier auch mal locker flockig 2.000 CLP, aber am Essen sollte man auf keinen Fall sparen. Schließlich brauchst du die Kräfte für den Aufstieg. Am letzten Abend haben wir uns sogar eine „Feierabend-Bier“ für schnappe 2.800 CLP pro Stück gegönnt. Das wohl teuerste Bier, was wir bisher getrunken haben…

7. Was muss ich alles mitnehmen?

Dein Hauptgepäck solltest du definitiv in Puerto Natales lassen. Jedes Hotel oder Hostel wird dein Zeug ohne Probleme aufnehmen — sie sind daran gewöhnt. Viele haben spezielle Lagerräume und es wird dort für alle 5-10 Tage sicher sein. Wir haben unsere Sachen in große Mülltüten verpackt und unseren Rucksack mit einem Schloss versehen. Es ist alles gut gegangen — wir hatten sogar wichtige Technikgeräte wie Laptop dort untergebracht.

Nehme nur das Zeug mit, was du WIRKLICH brauchen wirst. Jedes Gramm zu viel merkst du am Rücken. Setze deine Kleider in eine Plastiktüte und dann erst in deinen Rucksack. So bleibt alles trocken, wenn es mal regnet.

Unsere Packliste als Vorschlag:

  • Rucksack
  • T-Shirts
  • Pullover
  • Unterwäsche
  • Dicke Strümpfe
  • GUTE wasserdichte Schuhe
  • Wanderhosen oder für die Ladies Sport-Tights
  • Regenjacke
  • Ganz wichtig: Kamera
  • Lebensmittel für die kompletten Tage
  • Sonnenschutzmittel
  • Sonnenbrille
  • Toilettenpapier
  • Flip Flops
  • Schnelltrocknendes Handtuch
  • Stirnlampe
  • Schmutztüte

8. Was werde ich alles in Torres del Paine sehen?

Die unglaubliche Natur von Torres del Paine ließ schon viele Menschen die Sprache verschlagen. Es ist ein Ort, wo die Farbe des kristallklaren Himmels einfach unbeschreiblich ist.

Das Highlight schlechthin

Die Torres — 3 riesige Granittürme —ist das Symbol des Nationalparks. Wenn du sie bei Sonnenaufgang sehen möchtest, solltest du im Campamento Torres übernachten (im Voraus unbedingt reservieren), da dies der nächstgelegene Ort ist, um die Torres zu erreichen (noch eine Wanderung von ca. 1,5 Stunden). Da wir keinen Platz in diesem Camp bekamen, sahen wir die Torres „nur“ bei Tageslicht. Trotz allem war es einfach atemberaubend!

Herzensangelegenheit

NIEMALS, und wir meinen auch wirklich niemals, jegliches Feuer im Torres del Paine Nationalpark entfachen! Das Feuer wird sich so schnell verbreiten — die Bäume sind dort sehr trocken — du wirst es nicht aufhalten können. Das ist ein ernstes Problem. Es gab Leute vor einigen Jahren, die dieser Sicherheitsbestimmung nicht nachkamen und dabei bis zu 40% der Parkbäume zerstört haben. Als Strafe mussten sie eine riesige Geldbuße bezahlen und sie dürfen jetzt nicht nur den Park, sondern auch das ganze Land nicht mehr betreten. Also bitte mache kein Feuer im Park! Es wäre wahrlich eine Schande für die einzigartige Natur.

9. Gibt es dort wirklich kein Internet?

Es gibt kein Internet, es sei denn, du bist bereit, etwas dafür zu bezahlen. Viele Refugios bieten einen „Wild-Fi“ Service an. Aber sind wir mal ehrlich: Bringt es uns um 4-10 Tage auf das Internet zu verzichten? Wir haben uns nicht das überteuerte WLAN gekauft und können es nur jedem empfehlen. Somit hat man besser die Möglichkeit mit der Natur in Verbindung zu treten, ist es nicht das, warum du da bist?

10. Muss ich irgendetwas vorab reservieren?

Wer oben aufmerksam gelesen hat, dem ist aufgefallen, dass das Wort „Reservierung“ öfters gefallen ist. Ja, seit diesem Jahr muss man so gut wie alles im Voraus reservieren. Wenn du das nicht machst, hat dies die Konsequenz, dass du nach dem Parkeingang nicht mehr weiter kommst. Denn direkt danach wird kontrolliert, ob du in einem Camp gemeldet bist. Reservieren kann man mittlerweile online — funktioniert aber weniger zufrieden stellend.


// Du möchtest noch mehr über das Thema Torres del Paine erfahren? Dann können wir dir wärmstens den Artikel „Torres del Paine W-Trek: Wandern in Patagonien“ von Bergzeit Magazin empfehlen!

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